Offener Brief an Herrn Detlef Schönen

Antwort auf den Pressartikel “Freundesverein lässt Verhandlungen platzen
vom 05.12.2013

Herr Schönen,

in der Tat sind solche Artikel wie dieser einer der Hauptgründe, warum die Mitglieder des Vorstands des Vereins Freunde der Freilichtbühne Mülheim an der Ruhr e.V. sich gegen eine Fortsetzung des Engagements an der Freilichtbühne entschieden haben. Ihr Artikel ist erneut eindeutig tendenziös, Ihre Sprache verrät das: So schreiben Sie z.B., dass sich unser Verein „Entgegen aller Anzeichen und Signale weigert“ Untermieter bei der Regler Produktion e.V. zu werden. Der Begriff der „Weigerung“ ist hier völlig unangemessen. Wir haben einen Vertrag angeboten bekommen und dieses Angebot nicht angenommen. Dabei haben wir uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Die festen Kosten für den Verein hätten sich ab 2014 um 350% erhöht, die festen Einnahmen hätten sich mehr als halbiert. Was glauben Sie würde passieren, wenn z.B. die Funke Mediengruppe vor einer solchen finanziellen Entwicklung stünde? Als für den Verein verantwortlich handelnde Personen ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben, die finanzielle Situation zu beurteilen und danach zu handeln.

Im darauf folgenden Absatz erklären Sie, dass noch am 20. November alle Fragen zur Neuregelung der Pachtverhältnisse gelöst schienen. Das ist falsch. Direkt zu Beginn des Treffens habe ich darauf hingewiesen, dass es in unserem Vorstand angesichts Ihres letzten Artikels unter der Schlagzeile „Der Streitgeist zieht langsam ab“, und des darin erneut geäußerten Vorwurfs der „Kommerzialität“  des bisherigen Programms, Vorbehalte gibt, den Vertrag zu unterzeichnen. Der größte Teil des Gesprächs an diesem Tag drehte sich um dieses Thema. Anwesend waren sowohl Teile des Vorstands des Regler-Vereins als auch Vertreter der Stadtverwaltung. In dieser Hinsicht von einem „Erstaunen“ zu sprechen ist sehr irreführend für die Leser.

Im mit dem Wort „Rückblende“ beginnenden Absatz schreiben Sie unter anderem, dass sich die Ideen unseres Vereins „rasch als unzureichend herausstellten“. Ich frage Sie, warum Sie dann jetzt offensichtlich kritisch beurteilen, dass wir unser Engagement beenden? Diese Frage hätte ich Ihnen übrigens gerne persönlich gestellt aber ich habe im Vorfeld dieses Artikels von Ihnen nicht die Möglichkeit bekommen mit Ihnen darüber zu sprechen.

Sie sprechen darauf folgend von der Beendigung der jahrzehntelangen Tradition. Das ist ein sehr kreativer Umgang mit dem Plural, nicht überraschend zu unseren Ungunsten. Unser Verein wurde im Jahr 2000 gegründet, das ist drei Jahre mehr als ->ein<- Jahrzehnt, und hat aus verschiedenen Gründen schon mindestens zwei Mal vor der Auflösung gestanden.

Meinen Augen nicht trauen wollte ich vorhin beim Lesen des folgenden Absatzes: (Zitat)„Eine Gruppe um den Vorsitzenden Biesgen wäre wohl bereit gewesen, den Untermietvertrag zu akzeptieren, eine Mehrheit um die maßgeblichen Personen Kirsten Piduhn ((Inhaberin Quest Media) und dem kreativen Kopf vieler Musical-Produktionen Wayne Graves nicht.“ Dazu möchte ich Ihnen erneut erklären, dass Frau Piduhn lediglich Schriftführerin unseres Vorstands und nicht stimmberechtigt ist. Ich versichere Ihnen, dass die stimmberechtigten Vorstandsmitglieder sich die ->einstimmige <- Entscheidung nicht leicht gemacht haben. In erster Linie, weil uns in der Tat sehr sehr viel an der Freilichtbühne liegt. Sonst hätten wir auch nicht ehrenamtlich seit vielen Jahren tausende Stunden Arbeit daran investiert. Das letzte Jahr war für uns allerdings hauptsächlich davon geprägt, falsche Anschuldigungen der Presse zu widerlegen – leider ein ungleicher Kampf gegen die Möglichkeiten einer quasi monopolistischen Lokalpresse. (Ich bin gespannt, ob dieser Beitrag hier stehen bleibt oder wie so mancher anderer einfach gelöscht wird)

Ihr Artikel enthält einen weiteren Fehler: meinen Hinweis, es „fehle das exklusive Verkaufsrecht für nichtalkoholische Getränke.“ erhalte ich entgegen Ihrer eindeutigen Aussage „Das stimmt zwar nicht,…“ aufrecht. In dem uns angebotenen Vertrag steht wörtlich in §14: „Dem Untermieter ist es freigestellt, bei seinen eigenen Veranstaltungen Waffeln, Kuchen, Kaffee, Cola, Fanta und Wasser in Eigenregie auf eigene Rechnung zu vertreiben. ….“ Ich bin zwar kein Jurist aber es dürfte hier eindeutig zu erkennen sein, dass dieses Verkaufsrecht eben nicht ->exklusiv<- gilt. Dabei wollten wir mit diesem Verkauf unter ehrenamtlichen Bedingungen Geld einnehmen, um eine portable Bühne für Schul- und Theatervorstellungen an der Freilichtbühne zu finanzieren. Um unter den vorgelegten Vertragsbedingungen – 15% des Gewinns der Regler-Gastronomie – das gleiche Ziel zu erreichen müssten wir bei unseren Veranstaltungen für die Regler-Gastronomen für einen ->Gewinn<- von ca. 72.000 Euro sorgen. Bitter stößt mir dabei die Frage auf, was hier wohl in Wahrheit „kommerziell“ ist.

Sie schließen Ihren Artikel mit den Worten „Man könnte es auch so sagen: Der Spuk, der vor einem Jahr begann, wäre dann endlich zu Ende.“ In diesem Punkt – endlich – kann ich Ihnen voll zustimmen. Wikipedia definiert den „Spuk“ als „eine Bezeichnung für wissenschaftlich unerklärte, unheimliche Erscheinungen.“, der sich u.a. aus den Wörtern für „Gespenst“, „Ulk“ und „Irrlicht“ ableitet. Besonders der letzte Begriff trifft in diesem Fall zu. Um es auf den Punkt zu bringen:  Sie haben unseren Verein seit einem Jahr buchstäblich in reinstem Schwarzweiß-Denken kaputtgeschrieben und beklagen nun, dass wir die Segel streichen. Das ist irre!

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass ich das Engagement und das Programm der Regler nach wie vor für sehr wichtig für die Freilichtbühne halte und auch persönlich schätze. Etwas anderes hat auch in meiner  Gegenwart nie ein Mitglied unseres Vereins – auch kein Vorstandsmitglied – behauptet.

Mit – „freundlichem“ möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, es wäre gelogen – Gruß,

Dirk Biesgen
Vorstandsvorsitzender
Freunde der Freilichtbühne Mülheim an der Ruhr e.V.