Stellungnahme

Durch den heute, am 10.10.2013 um 00:22 Uhr auf “derwesten.de” erschienenen Artikel “Was passiert nach der Richtungsentscheidung?” (abrufbar im Internet unter: http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/was-passiert-nach-der-richtungsentscheidung-aimp-id8544713.html), könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, dass zwei unserer Vorstandsmitglieder (Cirsten Piduhn – Schriftführerin und Wayne Graves – Beisitzer), als Reaktion auf die Ratsentscheidung der Stadt Mülheim an der Ruhr, die zukünftigen Vertragsverhältnisse zwischen dem “Regler Produktion e. V. ” und unserem Verein “Freunde der Freilichtbühne Mülheim an der Ruhr e. V.” betreffend, eine Todesanzeige sowie Abschiedsgrüße für die Freilichtbühne aufgesetzt haben.

 

Die betreffende Todesanzeige und die Abschiedsgrüße wurden von einem unserer Vereinsmitglieder (welches nicht im Vorstand ist), bei Facebook veröffentlicht. Das Vereinsmitglied wollte hiermit seiner ganz eigenen persönlichen Enttäuschung Ausdruck verleihen. Weder Todesanzeige noch Abschiedsgrüße spiegeln die Meinung des Vorstands bzw. anderer Vereinsmitglieder wieder.

Bisher war unser Verein Hauptmieter der Freilichtbühne und der “Regler Produktion e. V.” war Untermieter. Der alte Vertrag läuft zum Jahresende 2013 aus. Für die Zeit ab 2014 hat der Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr entschieden, dass nun unser Verein Untermieter und der “Regler Produktion e. V.” Hauptmieter sein wird. Im Ratsbeschluss der Stadt Mülheim heißt es: „…Zudem beschließt der Rat, den Regler Produktion e.V. im Rahmen des vorgenannten Mietvertrages zu verpflichten, einen Untervertrag mit dem „Freunde der Freilichtbühne e.V.“ abzuschließen.“

Unser Vorstand sieht den Verhandlungen zum Untermietvertrag für die Freilichtbühne positiv entgegen. Im Moment erarbeiten wir die Punkte, welche wir gerne in diesen Untermietvertrag einfügen würden und sehen dies sogar als Chance für mögliche Verbesserungen zwischen den Beziehungen beider Vereine zum Wohle der Freilichtbühne als kulturellen Standpunkt. Uns ging es immer und geht es noch ganz klar um ein Miteinander an der Freilichtbühne.

Mitte der kommenden Woche werden die Vorstände beider Vereine sich für erste Gespräche zusammenfinden. Dabei werden u. a. Punkte besprochen werden, wie z. B. die Anzahl der Tage pro Jahr, an denen unser Verein ab 2014 die große Bühne bespielen kann. Ganz konkrete Verhandlungen wird es dann zwischen beiden Vereinen erst ca. Mitte Dezember 2013 geben können, da zunächst erst die Verhandlungen zwischen dem “Regler Produktion e. V.” und der Stadt Mülheim über den Hauptmietvertrag abgeschlossen sein müssen. Für uns gibt es derzeit keinerlei Gründe für eine Resignation.

gez. Dirk Biesgen (Vorstandsvorsitzender des Vereins “Freunde der Freilichtbühne Mülheim an der Ruhr e. V.)
i. A. Ursula Deja-Schnieder

R.I.P. – Eine Backstage-Geschichte

Einige unserer Zuschauer der 15.00 Uhr Vorstellung am 5. Oktober 2013 haben sich vielleicht während der 30 Minuten-Pause gewundert. Da fiel etwas aus einem Baum am linken Bühnenrand und schlug unsanft auf dem Boden auf. Später war zu beobachten, wie ein Mann mit einer Schippe dort etwas wegbrachte.

Der Mann war Wayne Graves von “Quest Media and Entertainment Services”. Seit 2003 hat er verschiedene Familienprojekte an der Freilichtbühne verwirklicht, hat alle unsere Bühnenbilder selber entworfen und gebaut und er ist für Licht und Ton bei unseren Musicals zuständig. Um die Technik nicht allein zu lassen, hat Wayne zwischen den Wochenendvorstellungen immer wieder seit Jahren auf der Bühne im Zelt geschlafen und lernte so auch Bewohner der Freilichtbühne kennen, die sich vor uns eigentlich meistens verstecken.

Seit 10 Jahren kennt Wayne unser “Bühneneichhörnchen”. Irgendwo in den Bäumen links der Bühne hat es gewohnt. Am letzten Samstag, während der Vorstellung, hörte sein Herz auf zu schlagen. Bereits schon tot fiel es dann von seinem Baum in die Tiefe. Der kleine Kerl ist, für ein in Freiheit lebendes Eichhörnchen, wirklich uralt geworden.

Vor der Bühne dürfte kaum jemand etwas mitbekommen haben. Hinter der Bühne begruben Wayne und die Kinder Waynes kleinen Freund.

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Wer ist “Quest Media”

Cirsten Piduhn

Cirsten Piduhn

Ein Interview mit Cirsten Piduhn,
Inhaberin der Firma “Quest Media and Entertainment Services”.
Von Petra Becker und Ursula Deja-Schnieder, –
beide sind Mitglieder im Verein “Freunde der Freilichtbühne Mülheim a. d. Ruhr e. V.”

Freunde der Freilichtbühne (FBMH):
In Mülheim gehen seit einiger Zeit die verschiedensten Gerüchte um. Manch Einer befürchtet, dass die große Freilichtbühne von einem amerikanischen Multigroßkonzern übernommen werden soll, der nur an den reinen Kommerz denkt. Andere befürchten, dass die Bühne einer amerikanischen Rockerbande zum Opfer fällt. “Quest Media”, so der umgangssprachliche Name der Firma, ist an der Bühne aber schon seit 2009 bzw. seit 2003 tätig. Wir haben mit Cirsten Piduhn gesprochen; das ist die Frau, die hinter “Quest Media” steht.

Cirsten, wer ist Quest Media?

Cirsten:
Quest Media, das bin ich. Ich ganz allein.
Quest Media heißt eigentlich richtig “Quest Media and Entertainment Services” und ist in Bottrop beheimatet; denn dort wohne ich.

FBMH:
Hast du Angestellte?

Cirsten:
Nein, leider muß ich alles alleine machen. Feste Angestellte könnte ich gar nicht bezahlen.

FBMH:
Aber du hast einen freien Mitarbeiter?

Cirsten:
Ja, das ist Wayne Graves. Wayne ist mein Lebensgefährte und der Vater meines Kindes.

FBMH:
Wayne Graves, – das ist kein deutscher Name…

Cirsten:
Wayne kommt aus den USA.

FBMH:
…und er ist wegen der Liebe nach Deutschland gekommen?

Cirsten:
(lacht) Wegen der Arbeit UND der Liebe. Jetzt hält ihn die Liebe hier.

FBMH:
Dann ist “Quest Media” sozusagen ein kleines Familienunternehmen aus Bottrop?

Cirsten:
Ja, genau.

FBMH:
Dein Büro, wo ist das?

Cirsten:
Bei mir im Wohnzimmer, Zuhause in Bottrop in unserer Mietwohnung. Da hängen auch die allermeisten Kostüme und Accesoires für die Musicals.

FBMH:
Was genau tut Quest Media?

Cirsten:
In der heutigen Zeit ist es gerade für ein kleines Unternehmen schwierig sich “über Wasser zu halten”. Aus diesem Grund müssen wir derzeit sehr flexibel sein und machen darum sehr viele verschiedene Dinge.

Wir erstellen zum Beispiel Internetseiten, übersetzen Texte vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt. Wir bieten aber auch die musikalisch-technische Unterstützung für z. B. Stadtfeste, Betriebsfeiern, Hochzeiten usw. an, arbeiten dort praktisch wie ein DJ, können aber auch große Events beschallen und eine große Lichtshow u. a. mit Lasern bieten. Auch Künstler (Bands, Sänger/Innen, Leute, die Komödie machen z. B.) unterstützen wir mit unserer Ton- und Lichttechnik, wenn wir angefragt werden.

Eines unserer vielen Tätigkeitsfelder – und das ist mein liebstes – , ist es, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Theater- und Musicalprojekte zu verwirklichen.

FBMH:
Wer sind die Kunden bzw. Auftraggeber von “Quest Media”?

Cirsten:
Im Theater- und Musicalbereich sind das überwiegend die Jugendämter und die Kulturämter der Städte und Gemeinden, Schulen, Kindergärten, die Arbeiterwohlfahrt, andere soziale Träger und Initiativen die mit Kinder- und Jugendarbeit zu tun haben.

Ganz normale Privatleute, die z. B. ein Hochzeitsfest feiern möchten und noch einen DJ suchen, buchen uns ebenfalls.
Oder jemand hat eine Ferienwohnung und möchte für diese eine Homepage programmieren lassen. Aber auch Betriebe oder größere Firmen kommen auf uns zu.

FBMH:
Arbeitet “Quest Media” mit jemandem zusammen?

Cirsten:
Mein fester Kooperationspartner ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop.

FBMH:
“Quest Media” hat schon einige Preise gewonnen…

Cirsten:
Ja, und darauf bin ich sehr stolz.
Den letzten Preis (Landespreis NRW) haben wir im Juni diesen Jahres gewonnen und dies schon zum vierten Mal in Folge. Außerdem waren wir im Jahr 2010 Gewinner des TWINS im Kulturhauptstadtjahr.

Der erste Preis war für das deutsch-französische Musicalprojekt “Der kleine Prinz” im Jugendamt Bottrop. Dann folgte ein Jahr später das Filmprojekt “Rendezvous”. Das war auch ein deutsch-französisches Filmprojekt. Dann haben wir zwei Jahre lang, 2010 und 2011 Bandprojekte gemacht. Das war auch länderübergreifend mit polnischen, französischen und deutschen Jugendlichen, die zwei Wochen lang in gemischten Bands musiziert und komponiert haben und dann zum Abschluss einen gemeinsamen Bandauftritt hatten. Das war einmal 2010 zum Kulturhauptstadtjahr, – da haben wir uns gemeinsam mit dem Jugendamt dafür stark gemacht und 2011 haben wir das dann wiederholt. Dabei konnten die gleichen Jugendlichen wieder mitmachen, trafen ihre Freunde wieder; wir hatten aber auch viele neue Jugendliche dabei.
Ja und aktuell, in diesem Jahr, haben wir unseren fünften Preis gewonnen, durch ein Projekt auch mit der AWO, ein Filmprojekt.

Unsere Projekte bringen in jedem Jahr ca. 400 Jugendliche und deren Familien in Projekten zusammen.

FBMH:
Seit wann arbeitet ihr mit der Freilichtbühne in Mülheim zusammen?

Cirsten:
Ich als “Quest Media” seit 2009. Wayne schon seit 2003. Wayne war einer der Ersten, der Projekte an der Freilichtbühne durchführte und dort Unterhaltung für die ganze Familie auf die Bühne brachte.

FBMH:
Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Cirsten:
2009 hat mich Herr van Emmerich, der damalige Vorstandsvorsitzende der “Freunde der Freilichtbühne Mülheim a. d. Ruhr e. V.” und jetziger Ehrenvorsitzende gefragt, ob wir auch auf der Freilichtbühne ein Generationen übergreifendes Familienmusical realisieren könnten, weil er Wayne schon ganz lange durch viele vorangegangene Projekte kannte und auch wusste, was ich mache.

Das Gute daran: Weder die Stadt Mülheim noch der Verein “Freunde der Freilichtbühne e. V.” trägt dafür irgendwelche Kosten.

Herr van Emmerich hat uns gebeten auf der Freilichtbühne mehr mit und für Kinder und Familien zu tun. Das Hauptziel dabei war und ist, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam auf der Bühne stehen, die Bühne zum Leben erwecken, gemeinsam Spaß haben, ihre Persönlichkeit dabei weiterentwickeln und sich kreativ ausprobieren können. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, das eigene Talent zu zeigen aber auch mal den “inneren Schweinehund” zu überwinden, wenn sie Angst haben, Selbstvertrauen entwickeln. Gerade Kinder und Jugendliche kann man so positiv in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen vielleicht auch das Eine oder Andere mit auf den Weg geben. Das ist das Schöne an diesen Projekten.

So wurde 2009 dann das erste Familienmusical “Peter Pan” mit vielen Mitwirkenden die alle aus Mülheim bzw. den umliegenden Städten kamen, aufgeführt.

In den nachfolgenden Jahren haben wir einige weitere Familienmusicals realisieren können, z. B. 2010 “Simba, König der Löwen”, 2011 “Romeo und Julia”, “Die Schöne und das Biest” und “Cinderella”, 2012 “Der Zauberer von Oz” sowie “Jekyll und Hyde” und in diesem Jahr “König der Löwen”.

FBMH:
Wie funktioniert das mit euren Familienmusicals?

Cirsten:
Zuerst muß natürlich eine Geschichte her. Ich mag sehr die Disney-Geschichten und Musicals und die allermeisten Kinder heutzutage kennen und lieben sie ebenfalls.

In Anlehnung an die jeweilige Disney-Geschichte wird dann das Script geschrieben. Das mache meist ich selber, weil es mir großen Spaß macht. Aber auch Freunde und Bekannte von mir, die ebenfalls gerne schreiben und sich mit der Scriptschreiberei auskennen, helfen ab und zu.

Dann gibt es Bekannte und Freunde, die gerne komponieren. So hat z. B. den Großteil unserer Musicalsongs Dirk Biesgen geschrieben. Musik machen ist sein Hobby, komponieren ebenfalls.

FBMH:
Dirk Biesgen ist seit Herbst 2012 Vorstandsvorsitzender des Vereins “Freunde der Freilichtbühne Mülheim a. d. Ruhr e. V.” und gleichzeitig komponiert er für deine Musicals?

Cirsten:
Ja. Musik machen war schon immer sein Hobby. Seit 2009 komponiert er unsere Lieder.

Herr van Emmerich kannte uns und er kannte Dirks ganzes Engagement für die Freilichtbühne. Dirk, wir alle, waren von Anfang an mit unserem ganzen Herzblut dabei. Das hat Herr van Emmerich gesehen und darum hat er Dirk dann auch später gefragt, ob er sich vorstellen könne, als Vorstandsvorsitzender zu kandidieren.

Wayne und ich sind, genau wie Dirk, schon länger im Verein. Im Vorstand sind wir allerdings erst seit Herbst 2012. Da bin ich Schriftführerin und Wayne ist Beisitzer geworden. Es hatten sich für diese Aufgaben kaum andere Vereinsmitglieder gemeldet. Wir sind dann gewählt worden.

FBMH:
Warum macht ihr bei den Musicals alles selber? Ihr könntet doch auch die Originalmusik und die Originalscripte zu den Disney-Musicals kaufen?

Cirsten:
Nein, das kann ich ganz und gar nicht. Der Rechteerwerb an so einem Musical kostet Unmengen an Geld.

Ich möchte, dass die Kinder und Familien sich diese Musicals auch dann ansehen können, wenn ihr Geldbeutel klein ist. Für viele Familien ist es ja völlig unmöglich die sehr, sehr hohen Preise für die Eintrittskarten für so ein Originalmusical zu bezahlen und oft dann noch Reise- und Hotelkosten.

Unsere Musicals sind für die meisten Familien bezahlbar. Mit Gutschein bezahlt ein Kind in diesem Jahr z. B. nur 2 EUR Eintritt für das Musical “König der Löwen”. Den Gutschein kann sich jeder ganz einfach von der Freilichtbühnenseite (www.freilichtbuehne-mh.de) auf seinen Computer herunterladen, ausdrucken und braucht ihn dann nur mitbringen. Außerdem verteilen wir diese Gutscheine auch überall.

FBMH:
Wenn ihr das Script und die Musik für euer Musical geschrieben habt, wie geht es dann weiter?

Cirsten:
Dann schreibe ich ein öffentliches Casting zu diesem Musical aus. Das ist dann z. B. auch in den regionalen Zeitungen zu lesen.

Alle die Interesse haben und eine Rolle im Stück spielen möchten, kommen dann zu diesem Casting – vom Kleinkind bis zu Oma und Opa.

FBMH:
Es kann sich also jeder auf eine Rolle bewerben?

Cirsten:
Ja natürlich! Jeder, der gerne auf der Bühne steht oder mal testen möchte, ob ihm das Spaß machen würde. Es kommen Anfänger, fortgeschrittene Laien, manchmal auch Profis. Wichtig ist dabei der Spaß an der Sache, etwas sinnvolles zu machen, dazu lernen zu wollen (in die eine oder andere Richtung), der Gemeinschaftssinn…

FBMH:
Profisänger/darsteller kommen auch zu euch?

Cirsten:
Sehr, sehr selten. Ich wünschte, es wären mehr. Aber leider können wir solche Profis (noch) nicht bezahlen. Im Moment sind alle unentgeltlich für uns tätig. Und für eine nicht bezahlte Tätigkeit hat in der heutigen Gesellschaft ja leider fast niemand mehr die Zeit oder die Möglichkeiten.

Dabei sind gerade erfahrene Sänger/Innen und Schauspieler/Innen (egal ob Profi oder fortgeschrittener Laie) so unheimlich wichtig für uns. Sie sind es, die Erfahrung mit einbringen, sie leiten die “Neuen” an, zeigen ihnen beispielsweise, wie man sich in der jeweiligen Rolle bewegen muß – die Gestik und Mimik -, wie man die Lieder singt… Für die Kinder und Jugendlichen, aber auch für viele Erwachsene, die das erste Mal auf einer Bühne stehen, ist das immer eine riesengroße Bereicherung. Einfach mal erleben, wie so was gemacht wird, wie das live funktioniert. Dabei sein. Das ist schon toll.

FBMH:
Du sprichtst mit soviel Enthusiasmus, mit Leuchten in den Augen…

Cirsten:
Ja, das ist das, was ich immer gerne machen wollte. Das ist meine Welt. Gerade die Musicalprojekte schweißen auch unheimlich zusammen. Viele Eltern, Freunde, Bekannte von den Darstellern und von mir helfen mit. Da werden Kostüme geschneidert, Accessoires gebastelt, die Bühne entworfen und die Kulissen gebaut… Manchmal fühlt man sich wie in einer großen Familie. Viele Jugendliche haben bei uns im Alter von 6, 10 oder 12 Jahren angefangen mitzumachen und sind heute immer noch dabei. So was ist einfach schön.

FBMH:
Du sagtest vorhin, du kannst eigentlich niemanden von den Mitwirkenden bezahlen. Kommt überhaupt Geld über so eine Musicalveranstaltung rein?

Cirsten:
Wayne und ich buttern da sehr viel von unserem privaten Geld mit rein. Schließlich muß ja schon im Vorfeld vieles neu angeschafft werden: Verbrauchsmaterialien, z. B. die Farben für die Bühnenkulissen, Schrauben, Nägel, Holz, Mörtel…., manche Kostüme müssen wir dazu kaufen, weil sie zu schwierig zum selber nähen sind, bei denen die unsere Eltern und Helfer selber nähen, muß der Stoff bezahlt werden, Mikrofone brauchen neue Batterien, es geht mal was kaputt… usw., usf. Auch unser Kleintransporter braucht Sprit. Da ist so vieles….

Wir finanzieren das alles vor. Über den Ticketverkauf bekommen wir unser Geld dann wieder. Außerdem gehen 30 Prozent von den Einnahmen durch den Ticketverkauf, in die Wartung der Freilichtbühne, also an den Verein “Freunde der Freilichtbühne e. V.”. Weder ich als “Quest Media” noch der Freilichtbühnenverein kann im Moment auf Eintrittsgelder verzichten. Die sind dringend notwendig um die im Vorfeld angefallenen Kosten wieder reinzuholen und um etwas mehr Geld für die Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen an der Freilichtbühne zu haben.

Im Moment sind wir aber alle froh, wenn am Ende eines Musicalprojektes wenigstens die Kosten dafür wieder reinkommen und wir nicht mit einem Minus aus dem Projekt rausgehen müssen. Das könnte sich in dem Moment ändern, wenn wir von Anfang an etwas mehr Geld, z. B. für Werbemaßnahmen, um mehr Zuschauer auf die Bühne zu holen, hätten – z. B. von Sponsoren. Wir würden zwar nie “das große Geld verdienen” aber es wäre dann sichergestellt, dass wir mit den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in dieser Form weiter an der Freilichtbühne arbeiten könnten.

Ohne die Hilfe der vielen Eltern, Freunde und Bekannten, die diese Projekte mit stämmen, wäre das alles derzeit auch gar nicht möglich. Und das ist wirklich unglaublich, dass es so was heute noch gibt: Menschen, die sich, ohne Geld dafür zu verlangen, einbringen! Und wir freuen uns wirklich über jede, auch noch so kleine Unterstützung, egal in welcher Form.

FBMH:
Du bist im Moment auch noch für weitere Kinder- und Jugendprojekte unterwegs, hast gerade einige abgeschlossen und die nächsten sind schon angelaufen. Was genau ist das?

Cirsten:
Ja, 2012 um die Weihnachtszeit, waren wir in Kooperation mit der Bottroper AWO Familienbildung mit dem Musical “Scrooge” auf Ruhrgebiets-Tour. Das lief so gut, dass uns die AWO Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop gefragt hat, ob wir in der AWO Begegnungsstätte in Gelsenkirchen nicht noch ein Theaterprojekt speziell für türkische Kinder und Jugendliche ab acht Jahre, die Deutsch lernen sollen, anbieten können.

So haben wir dann zwei weitere Projekte angefangen: “Schneewittchen” und “Hänsel und Gretel”. Die Gruppen sind seitdem ständig gewachsen. Inzwischen haben wir nicht mehr nur türkische Kinder sondern jetzt auch polnische und spanische Kinder dabei. Wichtig dabei ist, dass ich weder türkisch, noch polnisch oder spanisch spreche, d. h. die Kinder müssen mit mir deutsch sprechen um sich zu verständigen. Die Kinder haben aber soviel Spaß dabei. Ich wünschte, es wären noch ein paar deutsche Muttersprachler dabei, dann würde die Integration noch besser sein.

Das ist jetzt ganz konkret ein Projekt der AWO in Gelsenkirchen-Schalke in der Grenzstraße und es nennt sich “Schalker Nachbarschaft”. Gelsensport gibt dort Sponsorengelder mit dazu.

In diesen Herbstferien startet dann zum Beispiel das interkulturelle Filmprojekt “Aufbruch”, das finanziell vom Landesjugendamt NRW getragen wird und das wir mit Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren realisieren werden.

Die jungen Leute werden als Schauspieler und Filmcrew-Assistenten agieren. Sie werden dabei sein, wenn ein Film entsteht, diesen Film mit unserer Hilfe (vom Filmscript bis zum Szeneschneiden), selber machen. Wir werden an verschiedenen Orten in Gelsenkirchen drehen. Das wird so eine Art Westsidestory sein, aber im Ruhrpott angesiedelt. Was genau im Film passieren wird und wie er ausgeht, das entscheiden aber die Jugendlichen allein. Wir geben nur die ganz grobe Rahmenhandlung vor: Zwei Jugendgangs aus völlig unterschiedlichen Stadtbezirken prallen aufeinander und der Anführer der deutschen Gang verliebt sich in die Schwester des Anführers der bosnischen Gang.

Getragen wird dieses Filmprojekt, bei dem sich Jugendliche mit unterschiedlichstem familiärem Hintergrund sowie unterschiedlichster Herkunft und Muttersprache begegnen werden von der AWO, Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop. Die Förderung erfolgt durch den Kinder- und Jugendförderplan NRW 2013, Integration als Chance.

FBMH:
Was wünschst du dir?

Cirsten:
Naja, im Moment zunächst natürlich was ganz persönliches: Dass mein Baby (ich bin ja im achten Monat schwanger), gesund auf die Welt kommt.

Dann ist mein großer Traum, dass wir auch weiterhin die Musicalprojekte auf der Freilichtbühne anbieten dürfen und dass sich vielleicht irgendwann einmal auch für diese Musicalprojekte auf der Freilichtbühne Sponsoren finden werden.

Vielleicht kann man sich irgendwann über den Freilichtbühnenverein für Landesgelder bewerben um dann einmal ein Kinder- und Familienmusical so richtig groß aufzuziehen, also dass mehr Kinder mitmachen können, dass wir mehr Kostüme hätten, dass wir mehr Profis dazu holen könnten…. Es wäre sehr, sehr schade, wenn für die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien die Mülheimer Freilichtbühne wegfallen würde – egal ob für die Darsteller oder die Zuschauer.

Allen die bei dem diesjährigen Familienmusical “König der Löwen” in irgendeiner Form, egal wobei, mitmachen, wünsche ich ganz viel Erfolg und hoffe von ganzem Herzen, dass wir uns zum nächsten Musicalprojekt im nächsten Jahr an gleicher Stelle wiedersehen.

(Anmerkung:

Cirstens Baby, ein kleines Mädchen, kam inzwischen gesund auf die Welt. Wir wünschen der kleinen Familie alles Liebe und Gute und freuen uns sehr, dass Cirstens erster Wunsch in Erfüllung gegangen ist.

Für die Erfüllung ihres zweiten Wunsches, dem wir uns als Verein natürlich auch anschließen, drücken wir nun alle gemeinsam fest die Daumen.)